Auf den Bänken treffen sich die Frauen des Dorfes, um miteinander zu plaudern und Erinnerungen auszutauschen. Rundherum fließt das Dorfleben ruhig dahin: Kinder spielen auf der Straße, jemand geht einkaufen, andere machen sich auf den Weg zur Kirche. Oder besser: zu den Kirchen.
Denn in Dorsino haben wir zwei, beide dem heiligen Georg, dem Schutzpatron des Dorfes, gewidmet. Die eine blickt in die Gegenwart, die andere erzählt von der Vergangenheit. Die alte stammt aus dem 13. Jahrhundert. Sie ist aus hellem Stein gebaut und bewahrt innerhalb ihrer Mauern kostbare Fresken von Cristoforo II Baschenis, dem Maler aus Bergamo, der mit seinen Farben in vielen Kapellen der Gegend Spuren hinterlassen hat.
Überquert man den Platz, gelangt man in die Via dei Ponti, die für uns mehr ist als eine Straße: Sie ist eine Einladung. Do pasi sota i ponti, sagen wir. Zwei Schritte unter den Brücken, den ponti de l’era, wie wir sie im Dialekt nennen. Sie verbinden die Straße direkt mit der Tenne des Hauses, damit der mit Heu beladene Wagen, von Tieren gezogen, hindurchfahren konnte. In Dorsino hat jede Familie ihre eigene Brücke: die Brücke der Sabatini, der Miri, der Batài und der Doreghini. Es genügt, durch die Gassen zu gehen, um zu entdecken, wer wir sind, Haus für Haus.
Dann kommt der August, und mit ihm die Polenta sota i ponti, das Dorffest von Dorsino. Der Platz füllt sich mit Stimmen, Lichtern und Düften. Die Tische reihen sich unter dem Sternenhimmel aneinander, zwischen Lachen, Musik und typischen Gerichten, die mit Sorgfalt zubereitet werden. Die Kinder spielen Kellner, die Jugendlichen schmücken das Dorf festlich, Frauen und Männer helfen in der Küche.
In diesen Tagen ist Dorsino mehr denn je ganz es selbst: schlicht, gastfreundlich, lebendig. Ein Dorf, das sich wiederfindet, sich erkennt und seine Wurzeln mit Freude feiert.