Das Val d’Ambiez ist unser Ort des Herzens.
Als Eingangstor zum südlichen Teil der Brenta-Dolomiten erstreckt es sich über etwa zwölf Kilometer und überwindet mehr als sechzehnhundert Höhenmeter, vom Ort San Lorenzo in Banale bis zur Busa di Prato, wo das Rifugio Agostini steht: rotes Dach, blaue Fenster, zwischen die Felsen eingebettet.
Es ist das Tal, das wichtige Seiten der Geschichte des Alpinismus geschrieben hat, des Alpinismus mit großem „A“, geprägt von Entschlossenheit, Leidenschaft und Opferbereitschaft. Und doch bleibt das Val d’Ambiez bis heute am Rand des Massentourismus, fern von den Sirenen der Ausbeutung und der Eile. Es wird weder von Aufstiegsanlagen noch von asphaltierten Straßen durchzogen. Um es zu erleben, braucht es langsame, gleichmäßige Schritte. Ein Taxi-Jeep-Service führt nur bis zum Rifugio Cacciatore.
Das gesamte Tal wird vom Rio Ambiez durchzogen. Sein Wasser, das einst eine große Mühle im Weiler Andogno antrieb, bietet heute eine natürliche Bühne, um das Kribbeln des Canyoning zu erleben, begleitet von den lokalen Bergführern. Das Tal beginnt schmal, zwischen Felswänden eingeklemmt, und öffnet sich dann plötzlich, sodass Weiden, Almen und Dolomitnadeln sichtbar werden, die heute als UNESCO-Welterbe anerkannt sind.
Das Panorama raubt einem die Worte: Ein Kranz von Gipfeln umschließt das Amphitheater des Tales, fast so, als wolle er seine reine, wilde Schönheit schützen. Ein Hymnus an die ursprünglichste Natur, Reich von Hirschen, Rehen, Gämsen, Murmeltieren, Braunbären und sogar einer Herde hornloser Yaks, die im Sommer frei über die Wiesen ziehen.
Die Landschaft wird von Türmen und Wänden absoluter Vertikalität beherrscht: die Cima d’Ambiez (3096 m), berühmt für ihr perfektes Gestein und vom Alpinisten Ettore Castiglioni als die eleganteste bezeichnet, und die Cima Tosa (3159 m), der höchste Gipfel der Gruppe. Durch das Val d’Ambiez zu wandern ist, als würde man den Grund eines uralten tropischen Meeres durchqueren. In der Nähe des Rifugio Cacciatore, im Giardino dei Fossili, kann man die Überreste der Megalodonten bewundern, Zeugen einer fernen Zeit, als diese Berge unter Wasser lagen.
Man versteht leicht, warum das Val d’Ambiez für uns in San Lorenzo Dorsino seit jeher der Ort des Herzens ist.