In San Lorenzo Dorsino gibt es eine Straße, die mehr als jede andere unsere bäuerliche Geschichte erzählt. Es ist die Schlittenstraße, ein Weg, der zu sprechen scheint.
Ihn zu gehen ist, als träte man in eine Erzählung aus Mühe, Einfallsreichtum und Staunen ein: die der Heuernte in großer Höhe in Prada. Früher brachen die Familien um drei Uhr morgens zu Fuß auf, um die hochgelegenen Wiesen von Prada zu erreichen. Der Aufstieg war lang und anstrengend, doch man musste vor der Morgendämmerung ankommen, wenn das Gras, vom Tau feucht, der Sense nachgiebiger war. Ringsum öffnete sich die Bergwelt zu grandiosen Ausblicken auf den Molvenosee und die Soran-Berge: eine Schönheit, die heute Wanderinnen und Wanderer verzaubert, damals aber nur die stille Kulisse für jene war, die zum Leben arbeiten mussten.
Die Schlittenstraße wurde von mit Heu beladenen Schlitten befahren, die talwärts glitten. Zwei parallele Rillen, noch heute im Kopfsteinpflaster sichtbar, erzählen von unzähligen Durchgängen von Männern und Frauen, die mit Kraft und Geduld die Früchte ihrer Arbeit hinunterzogen. Fünf Kilometer Stein und sechshundertfünfzig Höhenmeter, gemeinsam gebaut, Stein für Stein, in einer langen und geduldigen Gemeinschaftsarbeit.
In den Sommernächten füllte sich die Stille der Wälder mit dem metallischen Klang der Nagelschuhe und dem Dröhnen der Schlitten, die ins Tal hinunterschossen. Für die Jugendlichen war es eine Mutprobe: Wer schneller hinabkam, gewann Respekt und Bewunderung, vielleicht sogar ein Quäntchen Legende. Die Geschwindigkeit war ein unbestechliches Urteil, das die Mutigen von den Vorsichtigen, die Waghalsigen von den Ängstlichen unterschied.
Diese Schlitten, robust und leicht, waren kleine Meisterwerke handwerklichen Einfallsreichtums. Aus Buchen-, Eschen-, Birken- und Kornelholz gefertigt, wogen sie nur fünfzehn Kilo, konnten aber bis zu fünf Zentner Last transportieren. Jedes Element hatte seine präzise Funktion, Ergebnis eines alten Wissens, das von Hand zu Hand weitergegeben wurde.
Heute hat sich der Berg von Prada verändert. Aus den Wiesen sind Weiden für Schafherden geworden, und die Technik hat die Kraft der Arme ersetzt. Doch die alten Schlitten sind nicht verschwunden: Sie leben in der Erinnerung und Zuneigung der Menschen von San Lorenzo Dorsino weiter, sorgsam und dankbar bewahrt. Einige kann man noch in den Gärten der Häuser sehen, voll von Geranien und Sommerdüften, als Erinnerung daran, wer wir sind, woher wir kommen und wie viel Leben an dieser Straße vorbeigezogen ist.
Die Fotografien werden freundlicherweise von den Fotografischen Archiven der Gemeinde San Lorenzo Dorsino zur Verfügung gestellt.