Es gibt eine Geschichte, die uns erzählt, eine Geschichte, die von weit her kommt.
Es ist der Sommer 1944. Zwei junge Menschen begegnen sich in einem kleinen Ort in der Île-de-France, während die Welt noch von den Wunden des Krieges gezeichnet ist. Er ist Felice Rigotti, ein Alpini-Soldat aus San Lorenzo in Banale, auf der Flucht aus der Normandie. Sie ist Jacqueline Braun, ein Mädchen aus Paris, die Tochter eines evakuierten Gitarristen, der die Italiener nicht mochte.
Aber die Liebe, das weiß man, kennt keine Grenzen.
Eines Tages helfen Felice und ein Kamerad diesem Musiker, einen alten, vertrockneten Apfelbaum auszureißen. Eine einfache Geste, doch aus dieser Geste entsteht etwas Großes. Felice und Jacqueline sprechen miteinander, lächeln, und zwischen ihnen erblüht eine Liebe, die kein Krieg jemals auslöschen kann.
Sie heiraten 1947. Eine Zeit lang bleiben sie in Frankreich, doch Felice spürt die Sehnsucht nach seinen Bergen, nach der Sonne, die das Banale streichelt, nach dem Duft von Zuhause. So beschließt er im Sommer 1948, nach Hause zurückzukehren. Eine lange Reise, das Herz voller Hoffnung und in den Augen die Freude, sein Land mit der Frau zu teilen, die er liebt.
Am 23. August steigen Jacqueline und Felice in der Nähe von San Lorenzo in Banale aus dem Bus. Es ist Sonntag. Sie machen sich zu Fuß auf den Weg, die Koffer in der Hand und die Zukunft vor sich. Als sie am Dòs da Doa ankommen, bleibt Jacqueline stehen. Vor ihr liegen die Brenta-Berge, die Cima Tosa, das Grün, das alles umarmt. Sie stellt die Koffer auf den Boden, blickt auf dieses unermessliche Panorama und flüstert: „Mein Gott, wie wundervoll. Das ist mein neues Land, meine schöne Erde.“
Von diesem Tag an wird Jacqueline für alle zu Kiki, der Frau aus Paris, die beschlossen hatte, unsere Berge ihr Zuhause zu nennen. Und aus diesen einfachen Worten, gesprochen mit Staunen und Liebe, entsteht das, was wir noch heute sind: die schöne Erde des Trentino.
Ein Land, das aufnimmt, das verliebt macht. Ein Land, das, wie damals, weiterhin zum Herzen spricht.
Geschichte entnommen aus den Büchern La bella terra, piccola guida del Banale verso Castel Mani von Cesare Cornella und Moreno Baldessari und Bòcia, vèi che ném! La guera l'è finida. A colloquio con Felice Rigotti von Enzo Falagiarda