Ein besonderer Ort, mit einer besonderen Geschichte.
Eine Felswand, die dem Vergessen entrissen und dank der Leidenschaft derer, die sie liebten, dem Leben zurückgegeben wurde. Heute ist die Falesia Dimenticata das erste Beispiel in Italien für eine natürliche Kletterwand, die zu einem Gemeingut geworden ist, doch ihre Geschichte begann viel früher.
Ende der Achtzigerjahre, als sich das Sportklettern unter Begeisterten zu verbreiten begann, war dies die Hauswand für die Jugendlichen von San Lorenzo Dorsino. Schon bald wurden vierzig Routen eingerichtet, und die Kletterer begannen, diese einzigartige Felsplatte zu bevölkern, die aus Konglomerat besteht: Sand und Meeressteine, von der Zeit miteinander verschmolzen. Zu ihren Füßen liegt eine Wiese, die von einer Quelle mit frischem Wasser durchzogen wird.
Doch diese Kletterwand liegt auf Privatgrund. In den Neunzigerjahren beschloss der Eigentümer, genervt von den Jugendlichen, die mit ihren Vans ankamen, sie zu schließen. Er entfernte die Haken aus der Wand, und was einst eine kleine Heimat des Kletterns gewesen war, wurde nur noch zur Erinnerung. Für alle war es von da an die Vergessene Kletterwand.
Mit der Zeit holte sich die Natur alles zurück. Und doch erlosch die Nostalgie derer, die sie erlebt hatten, nie. Wie so oft bei Liebesgeschichten machte auch diese einen langen Umweg, um schließlich zurückzukehren.
2016, dank einer visionären Idee und einer Crowdfunding-Kampagne, an der mehr als 400 Menschen beteiligt waren, erwachte die Geschichte wieder zum Leben. Der Verein Dolomiti Open, der sich dafür einsetzt, die Berge zugänglich und inklusiv zu machen, kaufte das Gelände mit der Wand, der Wiese und der Quelle. Freiwillige und Begeisterte räumten alles auf: Der Fels konnte wieder atmen. Die historischen Routen wurden neu eingebohrt, und es entstanden neue, auch für Menschen mit körperlicher Behinderung zugängliche Routen.
2024 ermöglichte ein zweites Crowdfunding, das Gebiet zu erweitern und neue Routen zu eröffnen. Heute zählt man fast 60 Routen in allen Schwierigkeitsgraden: von Anfängerinnen und Anfängern bis hin zu Expertinnen und Experten, die den Grad 8a bewältigen. Jedes Jahr kommen mehr als 7000 Kletterer aus der ganzen Welt hierher nach San Lorenzo Dorsino, an den Ort, an dem der löchrige Fels wieder allen gehört.